SHIFT Happens
Kreativ- und Kommunikationsmethode für kritisches Denken
Ausgehend von japanischen Chindōgu – das sind absurde, scheinbar nutzlose Erfindungen – entwickelte ich in meiner Masterarbeit diese Philosophie weiter: Neo Chindōgu – absurde Artefakte, die Humor als Werkzeug für Kritik einsetzen. Daraus entstand die Methode SHIFT Happens – ein kompaktes Framework, das durch Überzeichnung und Irritation gesellschaftliche Missstände sichtbar macht. Für die Anwendung der Methode konzipierte und gestaltete ich ein eigenständiges Branding, Workshop-Materialien sowie begleitende Kommunikationsmittel.
Eigene Chindōgu
Chindōgu, also Objekte die zuerst sinnvoll erscheinen aber eigentlich völlig sinnlos sind. Controller mit Airbags für wütende Gamer, Schneeschieber für das Fahrrad, oder eine Computermaus mit der man bügeln kann.
Branding
Das Branding greift die kontrastreiche, verspielte Ästhetik japanischer Chindōgu auf: kräftige Farben, klare Formen und ein Logo mit japanischen Schriftzeichen. Workshop-Materialien wie Canvas und Kartenset im typischen SHIFT Happens Look unterstützen den kreativen Prozess mit Struktur und Orientierung.
Workshop
Im Workshop wurde die Methode praktisch erprobt und kritisch hinterfragt: Was funktioniert, was braucht Anpassung, wo liegen die Grenzen? Die Teilnehmenden aus Design und Architektur arbeiteten mit dem Canvas und hielten ihre Ergebnisse direkt darauf fest. Das gesammelte Feedback lieferte wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung und Verfeinerung der Methode.
Methode im Überblick
SHIFT Happens ist eine Methode für spekulative und kritische Gestaltung. Sie richtet sich an alle, die mit Design keine Lösungen liefern, sondern Fragen stellen wollen. Durch Humor, Übertreibung und Perspektivwechsel macht sie gesellschaftliche Widersprüche sichtbar. So würde sie visualisiert im "Lehrbuch" stehen.
Artefakte, die keiner will
Jedes Objekt entstand aus einem Szenario und wurde mit der Methode SHIFT Happens entwickelt. Die Artefakte sind absurde, kritische Kommentare zu realen Problemen – überzeichnet, humorvoll und unbequem. Die begleitenden Plakate machen ihre jeweilige Aussage sichtbar und verbinden Gestaltung mit Haltung.
Jahr 2069. Die Luft schmeckt nach Straße, Atmen ist wie Rauchen – nur ohne Filter. Wer’s sich leisten kann, lebt in gereinigter Luft, alle anderen tragen den Schnorchel 3000.
Männer nehmen im öffentlichen Raum selbstverständlich mehr Platz ein – körperlich und sozial. Die Quietschschuhe machen dieses Ungleichgewicht hörbar: Jeder Schritt quietscht laut und unangenehm. Ein Objekt, das Privilegien nicht anklagt, sondern akustisch sichtbar macht.
Wenn sie alles sehen – zeig ihnen nichts. Ein Helm aus Spiegeln, der Licht und Blicke zurückwirft: tragbare Diskokugel gegen Überwachung, irgendwo zwischen Datenschutz und Aluhut 2.0.
Das Plakat zeigt Kritik an der Normalisierung von Überwachung durch Konzerne wie Palantir. Der spiegelnde Helm wird zum Symbol für Selbstschutz und Widerstand in einer Welt, in der Transparenz zur Einbahnstraße geworden ist.
Kritik an der Kommerzialisierung von Wasser. Es überzeichnet die Logik einer Welt, in der Konzerne wie Nestlé Ressourcen privatisieren und Grundbedürfnisse zur Ware machen – ein Mahnmal für den Verlust des Selbstverständlichen.
Die Dokumentation meiner Masterarbeit „Chindogu – A Paradoxical Intersection of Function and Nonsense“ die theoretische Grundlage des Projekts. Es untersucht, wie absurde Alltagsobjekte zwischen gutem und schlechtem Design oszillieren – und welchen Wert Humor, Scheitern und Satire in der Designpraxis haben können.
Darauf aufbauend wird die Methode SHIFT Happens entwickelt und im Kontext etablierter Designmethoden wie Speculative Design, Critical Design, Design Fiction und Design Thinking verortet. Sie dient als Werkzeug, um kritisches Denken, Perspektivwechsel und gestalterische Reflexion zu fördern – und zeigt, welches kreative Potenzial entsteht, wenn Design nicht nur Lösungen sucht, sondern Fragen stellt. Außerdem erklärt die Dokumentation, was es mit der Quietscheente auf sich hat.